Kapitelauszug: "Das Beste"

Meine „Immer-nur-das-Beste“-Logik hatte etwas Unerfüllbares, etwas Fatales, das ich damals nicht erkannt hatte. Würde sie letztendlich nicht von mir verlangen, erst alle Frauen auf diesem Planeten kennenzulernen, um dann ganz sicher zu sein, die richtige gefunden zu haben? Natürlich war das Unsinn, das wusste ich selbst, doch ich verhielt mich, als hätte ich es tatsächlich vor. Besonders hilfreich dabei waren die Dienste der Partnerbörsen im Internet, die „Marktplätze der Liebe“, die Quelle der Verlockung und gleichzeitig des Zweifels, der jedes Mal dann wie ein langsam wirkendes Gift in alle meine Beziehungen einsickerte, wenn ich mir andere Profile, andere Frauen als die, die grade an meiner Seite war, anschaute. Wie war ich nur damals drauf?

Jeden Tag war ich auf diesen Plattformen unterwegs. Lernte ich dann eine Frau kennen, hatte ich schon wieder die Nase im Wind, um zu prüfen, um zu vergleichen, ob ein nicht noch angenehmeres Parfum in der Luft liegt. […]

Die Aufregung, das Gespannt-Sein auf die mögliche Prinzessin, das ich noch bei meinen ersten Treffen verspürte, verflüchtigte sich bald. Die Treffen wurden zur Routine, und um nicht den Überblick zu verlieren, hatte ich meine Suche in guter Beratermanier systematisiert. Spätestens als es peinlich wurde und ich die Namen, Geburtstage, Hobbys oder Wohnorte der „Dates“ durcheinanderbrachte, als ich eine Birgit nach ihrem Abschneiden bei dem Reitturnier fragte und sie antwortete, dass sie Pferde nicht ausstehen könne und ich sie wohl mit einem anderen „Bunny“ aus dem Internet verwechsele, spätestens dann hatte ich begonnen, eine Excel-Tabelle anzulegen, um zumindest mit den Daten nicht durcheinanderzukommen. Vielleicht hatte das Anlegen der Datei sogar noch einen anderen Grund. Vielleicht wollte ich mir mit der Liste nur selbst dokumentieren, doch alles Erdenkliche getan zu haben, um die Beste zu finden. 

Ich notierte das Ergebnis jeder Begegnung in der Datei, vergab dort sogar Schulnoten, erstellte Ranglisten und notierte in der Spalte „Besonderheiten“ das, was mir aufgefallen war, wie etwa „gute Figur“, „schöne Stimme“, „zu langweilig“, „zu viele Kinder!!!“ oder „zu viele Altlasten“.

Aus einigen dieser Treffen wurde eine „Beziehung“. Sie dauerte ein paar Wochen oder Monate, auch mal fast ein Jahr, doch keine dieser Frauen hatte zu der Zeit eine wirkliche Chance gehabt, mit mir glücklich zu werden. 

Manchmal, wenn ich es mal wieder so richtig übertrieben hatte, wenn ich an einem Tag …

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